Orgeln in Deutschland

Es gibt etwa 200 Orgelbaustätten und 50.000 Orgeln in Deutschland, was, bezogen auf die Fläche und Einwohnerzahl, die höchste Dichte weltweit darstellt. Die Orgellandschaften haben sich seit dem Barock über die Romantik immer weiterentwickelt und sind bis in die Gegenwart stetig gewachsen. So unterscheidet man heute nord-, mittel- und süddeutsche Eigenarten.

In Norddeutschland: im protestantischen Raum Mittel- und Norddeutschlands macht sich ein starker Einfluss der Virginalisten (England) und der Sweelincks (Holland) bemerkbar. Das Orgelspiel konnte sich hier gut entfalten, besonders in den Choralbearbeitungen und den Präludien und Fugen.

In Süddeutschland: der katholische Süden weist weniger Orgelspiel im Gottesdienst auf. Hier ist das kammermusikalische Klavierspiel stärker vertreten, mit Toccata, Suite, Capriccio.

In Mitteldeutschland: Mix aller Einflüsse, wobei in der Orgelmusik weitestgehend norddeutsche Elemente überwiegen.

Die Deutsche Unesco-Kommission hat Orgelbau und Orgelmusik in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen, was bei solch einem Schatz auch nicht verwundert.

Allein die Region Ostfriesland bietet ca. 150 Exemplare historischer Orgeln im Norden.

 

Walcker – Einige der bekanntesten Orgeln und größten Umbauten

Allein Eberhard Friedrich Walcker hat im Zeitraum von 1820 bis 1872 rund 270 Orgeln hergestellt:

Evangelische Kirche – Orgel von Eberhard Friedrich Walcker (1821). 1902 bei Link in Giegen modernisiert. Heute im Residenzschloss Ludwigsburg.

Paulskirche – Orgel von E.F. Walcker (1833)

St. Petersburg, St. Anna, Leningrad – E.F. Walcker, 30 Register (1847)

Kathedrale von Zagreb – Orgel von E.F. Walcker (1855). 2005 von M. Walcker-Mayer restauriert.

Frankfurter Synagoge – von E.F. Walcker. Verbrannte 1938 in der Reichspogromnacht

Ulmer Münster – wurde 1885 erweitert und umgesetzt

Auferstehung-Christi-Kirche – Orgel der Firma Walcker-Mayer (1989)

Christuskirche – Orgel wahrscheinlich von der Firma E. F. Walcker (1908)

Hofburgkapelle – Orgel der Firma Walcker-Mayer (1962)

Luther-Stadtkirche A.B. – Orgel der Firma Walcker-Mayer (1965); Gehäuse von Friedrich Deutschmann (1808).

Penzinger Kirche – Orgel der Firma Walcker-Mayer (1982); Gehäuse von 1776.

Severinkirche – Orgel der Firma Walcker-Mayer (1975).

Stephanskirche – älteste Orgel aus dem 13. Jahrhundert (urkundlich erwähnt 1334); Orgel von Eberhard Friedrich Walcker (1886; 1945 zerstört)

Votivkirche – Hauptorgel von Eberhard Friedrich Walcker (1878).

Orgel im Konzertsaal – Großer Saal: Orgel der Firma Walcker-Mayer (1968); Gehäuse nach Entwurf von Theophil Hansen (1872).

Orgel im Museum – Technisches Museum: Im Festaal: Salon-Orgel von E. F. Walcker & Co. (1916)

 

Die älteste Orgelmusik

Die älteste schriftlich überlieferte Orgelmusik ist die Musik aus dem Robertsbridge Codex (Appendix um 1350). Aus spätgotischer Zeit stammt der Codex Faenza (um 1420), die Orgelstücke aus der Predigtsammlung aus Winsen (1431) sowie die Orgeltabulatur des Magister Ludolf Lying (1445) und die des Adam Ileborgh aus Stendal (1448).